EU-Finanzaufsicht lässt bei Banker-Boni locker

Veröffentlicht: Oktober 25, 2013 in Uncategorized

Banker-Boni bis zu 250 Prozent des Fixums will die EU-Bankenaufsicht EBA nun ermöglichen. Die britische Regierung ebenso wie verschiedene Banken hatten die EU-Pläne kritisiert – die Aufsicht gibt offenbar dem Druck nach.

 
Neue Regeln: Bei Barclays wird bereits an Modellen gearbeitet, wie man um exorbitante Steigerungen des Grundgehalts herumkommt. Quelle: dapd
Neue Regeln: Bei Barclays wird bereits an Modellen gearbeitet, wie man um exorbitante Steigerungen des Grundgehalts herumkommt.Quelle: dapd

LondonDie EU-Bankenaufsicht EBA will die Beschränkungen für Banker-Boni etwas aufweichen. Die Londoner Behörde reagiert damit offenbar auf den massiven Gegenwind von Investmentbanken und der britischen Regierung gegen EU-Pläne, die Boni auf das Doppelte des Grundgehaltes zu begrenzen. In einem Diskussionspapier zeigt die EBA nun einen Weg auf, wie die Obergrenze angehoben werden könnte.

 

Ein komplexes Berechnungsmodell führt letztlich dazu, dass die Banker zusätzlich noch einmal Boni im Umfang von 50 Prozent des Fixgehaltes bekommen können, wenn diese frühestens nach fünf Jahren ausgezahlt werden. „Das sieht nach Flickwerk aus“, sagte Andrew Stanger, der sich bei der Anwaltskanzlei Mayer Brown mit Arbeitsrecht beschäftigt.

Die EU hat die Boni im Zuge der verschärften Eigenkapital-Vorschriften für Banken deutlich begrenzt. Nur mit Zustimmung der Aktionäre dürfen Banker künftig ihr Grundgehalt mit Boni verdreifachen, sonst dürfen die Boni maximal so hoch sein wie das jährliche Fixum. Es geht um Angestellte, die insgesamt eine halbe Million Euro im Jahr und mehr verdienen.

Die zehn größten Banken der Welt

Damit soll verhindert werden, dass Banker bei ihren Geschäften zu viel riskieren, um noch mehr Geld zu verdienen. Erfolgreiche Manager können heute ihr Grundgehalt in der Finanzbranche mit Boni leicht verfünf- oder versechsfachen.

Die Banken argumentieren dagegen, die Beschränkungen machten sie unflexibel. Denn um zu verhindern, dass die Banker außerhalb von Europa anheuerten, wo es keine Obergrenzen gibt, müssten die Fixgehälter steigen. Doch damit könnten die Häuser das Auf und Ab an den Märkten nicht mehr durch geringere Löhne auffangen. Tausende Banker haben nach der Finanzkrise den Job verloren, weil das Geschäft längst nicht mehr so brummt wie vorher.

 

Tausende Risikoträger

Das Lohn- und Bonussystem der Investmentbanker wird als ein Grund angesehen, warum in der Finanzkrise Banken Pleite gingen oder vom Steuerzahler gerettet werden mussten. Die EBA muss aber bis zum Frühjahr noch festlegen, welche Banker von den neuen Regeln überhaupt betroffen sind.

Die EU hatte von „Tausenden“ Risikoträgern gesprochen, bei der Deutschen Bank sind allein 1300 in diese Kategorie eingestuft. In Großbritannien unterliegen insgesamt nur 1300 Banker einer besonderen Aufsicht.

Kapitalquoten großer Banken (2. Quartal 2013)

  • Kernkapitalquoten

    Ein Lehre aus den Folgen der Finanzkrise lautet: Banken müssen mehr echtes Eigenkapital vorhalten, dass Verluste auffangen kann. Im „Basel III“ genanntenRegelwerk ist eine Mindestquote von 4,5 Prozent aus Eigenkapital und einbehaltenen Gewinnen vorgeschrieben – von Investoren werden aber derzeit eher neun Prozent als Wert für eine stabile Bank angesehen.

  • Bank of America
     
  • Citigroup
     
  • Commerzbank
     
  • Deutsche Bank
     
  • Goldman Sachs
     
  • JP Morgan
     
  • Morgan Stanley
     
  • UBS
     
  • Wells Fargo
     
  • Quelle
     

Knapp 400 davon arbeiten bei Barclays. Dort wird bereits an Modellen gestrickt, wie man um exorbitante Steigerungen des Grundgehalts herumkommt. Die Risikoträger sollen dort neben Grundgehalt und Bonus eine monatliche Prämie bekommen, die aber nicht in die Berechnung der Rentenansprüche einfließt, wie ein Insider sagte. Entscheidungen gebe es aber noch nicht. Barclays wollte sich dazu nicht äußern.

In Deutschland erwarten Banker in diesem Jahr noch einmal einen großen Zahltag. Nach einer Umfrage des Personaldienstleisters eFinancialCareers in sieben Ländern rechnen 83 Prozent der deutschen Banker für 2013 mit einem Bonus. Über die Hälfte der Befragten geht sogar davon aus, dass die Sonderzahlungen höher ausfalle als im vergangenen Jahr.

 

Dabei habe die Mehrheit 2013 bereits eine Gehaltserhöhung bekommen. In den USA erwarten nur 59 Prozent, in Großbritannien 61 Prozent eine Sonderzahlung.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/deckelung-aufgeweicht-eu-finanzaufsicht-laesst-bei-banker-boni-locker/8980008.html

 

 

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