DIRTY WARS – AUF DEN SPUREN VON OBAMAS TODESPATROUILLEN

Veröffentlicht: Oktober 31, 2013 in Uncategorized

 

 

Mikael Nyberg
25. Oktober 2013
Aus dem Schwedischen: Einar Schlereth

Die ungebetenen Gäste haben alle Bärte, sind aber keine Taliban. Sie kommen in der Nacht, umringen das Haus und erschießen zwei Männer und drei Frauen, von denen zwei schwanger sind. Die Fremden schneiden ihre Kugeln aus den Körpern. Keine Spur soll Anhaltspunkte liefern.
Im Pressekomunikee heißt das ‚Ehrenmord‘.

Jeremy Scahill verlässt zusammen mit dem Filmer Richard Rowley den Schutz als eingebetteter Journalist in Kabul, um nach Gardez zu reisen und mit Überlebenden zu sprechen. Einer der Ermordeten war der Polizeioffizier Mohammad Daoud, ein Gegner der Taliban. Die Familie hatte ein neugeborenes Kind gefeiert. Sie hatte getanzt und gut gegessen.

Die Fremden waren Amerikaner

Scahill folgt im Film ‚Dirty Wars‘ (Schmutzige Kriege) ihrer Spur von Afghanistan nach Irak, Jemen und Somalia. Die Erfolgsbilanz eines Friedenspreisträgers. Die Fremden, die in zwanzig Überfällen pro Nacht in Afghanistan Menschen heimsuchen, sind Angehörige der ‚Joint Special Operations Command‘ (JSOC = Vereinigtes Kommando für Spezial-Operationen), Todespatrouillen, die direkt dem Präsidenten unterstehen. Er hat eine Liste von Zielen, Verdächtige, die eliminiert werden sollen. Hat der JSOC keine Leute vor Ort, dann kommt eine Drohne mit einer Hellfire-Rakete.

Je mehr Scahill von der Brutalität der heimlichen Tötungs-Kampagne des lächelnden Präsidenten entsetzt ist, umso mehr ist er erstaunt über ihre sichtliche Irrationalität. Wenn die Männer an das Ende ihrer Opfer-Liste kommen, ist sie plötzlich um das Tausendfache angewachsen.

Niemand sprach von Al Qaida in Jemen bevor die USA 2009 mit einem Marschflugkörper 40 arme Beduinen in al-Majalah ausradierte und Obama persönlich dafür sorgte, dass ein Journalist vor Ort, der über die Tat berichtete, ins Gefängnis kam.

Der Bedrohung durch Terrorismus wäre leicht abgeholfen, wenn es darum ginge. Man müsste nur aufhören zu schießen, die Drohnen verschrotten und die Völker in Asien und Afrika über ihr Schicksal selbst entscheiden lassen. Im selben Augenblick wird der Zorn nachlassen, der dem Dschihadismus seine Sprengkraft verleiht.

Aber der endlose, schmutzige Krieg hat viel, was für ihn spricht. Da ist die Großindustrie, die viel der technischen Entwicklung finanziert und das dient den globalen Ansprüchen des amerikanischen Kapitalismus.

Ich würde es gerne sehen, wenn das norwegische Nobelpreis -Komitee im Kino festgebunden würde, und zwangsweise 48 Stunden lang diesen Film immer wieder sehen müsste. Das wird nicht geschehen, und was schlimmer ist, es würde nichts helfen. ‚Dirty Wars‘ wird Festivalpreise gewinnen und auf den Kulturseiten besprochen, aber Carl Bildt und der Sozialdemokrat Urban Ahlin wissen bereits alles darüber und helfen wie der Friedenspreisträger und seine Todes-Schwadronen mit JAS-Flugzeugen und Soldaten.

Die Enthüllung bringt nichts ohne Verbindung mit sozialen Bewegungen. ‚Dirty Wars‘ ist ein Film für die Jungen, die mit Märchen aus den staatlichen Propagandainstituten für den Krieg vorbereitet werden. Verlangt, dass ihr den Film sehen dürft und diskutiert ihn in den Schulen.

Quelle – källa – source

Hier füge ich noch die ‚Confessions of a Drone „Warrior“ hinzu. Hier hat einer von jenen Männern, die in der Wüste Nevada in einem bequemen Sessel sitzen und die Ziele in Afghanistan und sonstwo aussuchen, die dann von Drohnen ausgelöscht werden, seine Seelenqual zu Gehör gebracht. Allmählich fand er heraus, dass er  unter ‚post-traumatic stress disorder‘ (PTSD = posttraumatische Belastungsstörung) litt – wie fast 60 % seiner Kollegen auch. Man könnte sagen, dass er seine Strafe für seine Verbrechen erhalten hat. Doch ist das ein schiefes Bild. Hier leidet eine Person für den Tod von mehr als 1600 Menschen, die alle Kinder – manchmal ungeborene – Ehefrauen/männer, Eltern, Verwandte, Freunde hatten. Aber es gibt keine Strafe, die dieses unfassbare Leiden aufwiegen könnte.
Dennoch ist dies ein wichtiges Dokument, weil es den elenden Alltag dieser ‚Krieger‘ beschreibt und auch die Umstände, die viele von ihnen in so eine furchtbare Lage gebracht haben.

 
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