Österreicher plündern SparbücherIm ersten Halbjahr 2013 zogen die Österreicher fast eine Milliarde Euro ab.

Veröffentlicht: Dezember 18, 2013 in Uncategorized

Die Österreicher müssen auf das Sparen verzichten, um ihre Lebenskosten decken zu können. Weil die verfügbaren Einkommen kaum steigen, ist die Sparquote seit 2009 ständig gesunken: Wenn generell weniger im Börsel ist, kann auch weniger auf die hohe Kante gelegt werden.

Im ersten Halbjahr 2013 haben Herr und Frau Österreicher sogar ihre Girokonten und Sparbücher geplündert: Fast eine Milliarde – genau 925 Millionen Euro – an Einlagen wurden abgezogen.

Ein Teil wird offenbar als Bargeld gebunkert: Der Cash-Betrag stieg um 669 Millionen Euro an. Kein Wunder: Bei den aktuellen Niedrigzinsen verlieren die Guthaben ohnehin an Kaufkraft, wenn man die Inflation abzieht. Somit gewinnt die Matratze oder der Wandsafe als Bargeldbunker an Attraktivität.

Hoffen auf Konsum

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) wertet das als Signal, dass die Konsumenten demnächst mehr Geld ausgeben werden. Dass die Österreicher weniger sparen, unterstütze somit die Erholung der Wirtschaft. „Wir erwarten ein deutliches Anziehen des privaten Konsums“, sagt OeNB-Chefvolkswirtin Doris Ritzberger-Grünwald. Im ersten Halbjahr war davon freilich noch keine Rede. Im Gegenteil: „Der private Konsum ist um 1,3 Prozent eingebrochen“, sagt WIFO-Experte Marcus Scheiblecker. Solange die Österreicher nicht auf höhere Einkommen zählen können oder sogar um ihren Arbeitsplatz bangen, werden sie nicht die Spendierhosen anziehen. Wer Geld zur Verfügung hatte, investierte dieses eher in reale Werte als in Finanzanlagen. Die Preise für Wohnimmobilien hätten in Österreich viel später als im restlichen Euroraum zu steigen begonnen. Seit 2003 haben sie dafür gleich um fast 60 Prozent angezogen. Eine Blase sei das aber nicht, beruhigt die OeNB. Die Wohnbaukredite seien nämlich nicht so dramatisch gestiegen.

„Blutleere Erholung“

Dass die Spareinlagen sinken, kommt in Österreich nicht allzu häufig vor: Seit 1995 war das nur drei Mal der Fall. In absoluten Zahlen ist der Rückgang allerdings überschaubar: Seit Anfang 2013 sind die Spareinlagen von 146 auf 143,7 Milliarden Euro gefallen.

Bei den Unternehmen ergibt sich ein gegenteiliges Bild: Sie bunkern immer mehr Geld bei den Banken – zuletzt rund 53 Milliarden Euro. Für Christian Helmenstein, Ökonom der Industriellen-Vereinigung, ist das bedenklich. „Nötige Investitionen bleiben aus, weil die Stimmung und die Ertragserwartungen nicht gut genug sind.“

Die Erholung werde üblicherweise zunächst von Exporten, dann von Investitionen und zuletzt vom Konsum getragen. Jetzt drohten neue Belastungen für die Unternehmen: Stichworte Gruppenbesteuerung, Energieabgabe oder Bonus-Malus-System. Die Erholung drohe damit „sehr blutleer“ auszufallen, warnt Helmenstein.

 

http://kurier.at/wirtschaft/finanzen/oesterreicher-pluendern-sparbuecher/40.419.855?utm_source=Sailthru&utm_medium=email&utm_term=daily_kurier&utm_campaign=daily%20kurier%202013-12-12

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